Fahrtkosten 2026: warum die neuen 38 Cent nicht für deine Shooting-Fahrten gelten
Zum 1. Januar 2026 wurde die Entfernungspauschale vereinheitlicht: 38 Cent pro Kilometer, und zwar ab dem ersten. Vorher gab es die 38 Cent erst ab Kilometer 21, davor nur 30. Klingt nach einer guten Nachricht für einen Berufsstand, der praktisch im Auto wohnt. Der Haken: Für die Fahrt zur Hochzeit, zur Kita oder zum Kundentermin gilt dieser Satz überhaupt nicht. Und das ist meistens sogar besser für dich.
Zwei Arten von Fahrten – zwei Sätze
- Wohnung ↔ Betriebsstätte: 38 Cent, einfache Strecke. Das ist die Entfernungspauschale. Sie zählt nur den Hinweg und nur die Tage, an denen du tatsächlich dort warst. Als Selbstständige:r setzt du sie als Betriebsausgabe ab.
- Alle anderen betrieblichen Fahrten: 30 Cent, pro gefahrenem Kilometer. Das sind Reisekosten – und hier zählen Hin- und Rückweg. Für Motorrad oder Roller sind es 20 Cent.
Rechne einmal nach: 40 Kilometer zur Hochzeitslocation und zurück ergeben 80 gefahrene Kilometer à 30 Cent, also 24 €. Nach der Entfernungspauschale wären es 40 Kilometer à 38 Cent, also 15,20 €. Der vermeintlich schlechtere Satz bringt in der Praxis deutlich mehr, weil er die doppelte Strecke zählt.
Der Punkt, den viele übersehen: Hast du überhaupt eine Betriebsstätte?
Wer sein Büro in der eigenen Wohnung hat – und das trifft auf einen Großteil der Fotograf:innen zu –, hat gar keine Wege zwischen Wohnung und Betriebsstätte. Dann ist praktisch jede berufliche Fahrt eine Auswärtstätigkeit: zum Shooting, zum Labor, zur Location-Besichtigung, zum Fachhändler, zur Weiterbildung. Alle nach Reisekostenrecht, alle mit gefahrenen Kilometern.
Ein eigenes Studio ändert das: Die Fahrten dorthin laufen über die Entfernungspauschale, die Fahrten von dort zum Kunden bleiben Reisekosten.
Das Geld, das die meisten liegen lassen: Verpflegungspauschalen
Bei auswärtiger Tätigkeit steht dir zusätzlich zu den Kilometern eine Verpflegungspauschale zu – ohne jeden Beleg:
- 14 € bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit
- 28 € bei vollen 24 Stunden Abwesenheit
- Je 14 € für An- und Abreisetag bei mehrtägigen Auswärtstätigkeiten
Ein normaler Hochzeitstag dauert fast immer länger als acht Stunden. 25 Hochzeiten im Jahr sind damit 350 € zusätzliche Betriebsausgaben, die viele schlicht nie eintragen. Wichtig: Wenn das Brautpaar dich mitverpflegt, wird gekürzt – um 20 % für ein Frühstück und um jeweils 40 % für Mittag- oder Abendessen.
Was das Finanzamt sehen will
- Datum, Ziel, Anlass, Kilometer – pro Fahrt. Mehr braucht es für die Kilometerpauschale nicht.
- Abwesenheitsdauer für die Verpflegungspauschale – also Start- und Endzeit.
- Sauber geführt, nicht nachträglich rekonstruiert. Aufzeichnungen, die am 31. Dezember entstehen, halten einer Prüfung selten stand.
Ein Fahrtenbuch im engeren Sinne brauchst du nur, wenn du ein betriebliches Fahrzeug auch privat nutzt und die 1-%-Regelung vermeiden willst. Für die reine Kilometerpauschale genügt eine nachvollziehbare Aufstellung. Wie die Zahlen am Jahresende zusammenlaufen, steht im Beitrag zur Einnahmenüberschussrechnung.
Fazit
Die 38-Cent-Reform betrifft dich vor allem dann, wenn du ein separates Studio anfährst. Deine eigentlichen Fahrten – zu Shootings, Kunden und Terminen – laufen mit 30 Cent je gefahrenem Kilometer, dafür hin und zurück. Und die Verpflegungspauschale von 14 € pro langem Drehtag ist der einfachste unbeanspruchte Steuervorteil unserer Branche. Beides lebt davon, dass du es zeitnah notierst.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung nach dem aktuellen Stand (2026) und ersetzt keine Steuerberatung. Fristen und Details können sich ändern.
Häufige Fragen
Kann ich für die Fahrt zum Shooting die 38 Cent ansetzen?
Nein. Die 38 Cent gelten für Wege zwischen Wohnung und Betriebsstätte. Fahrten zu Shootings sind Auswärtstätigkeiten und werden mit 30 Cent je tatsächlich gefahrenem Kilometer angesetzt – dafür zählen Hin- und Rückfahrt.
Bekomme ich die Verpflegungspauschale auch als Kleinunternehmer:in?
Ja. Die Verpflegungspauschale ist eine Betriebsausgabe in der Einkommensteuer und hängt nicht an der Umsatzsteuer. Auch mit Kleinunternehmerregelung stehen dir 14 beziehungsweise 28 Euro zu.
Muss ich ein Fahrtenbuch führen?
Für die Kilometerpauschale reicht eine nachvollziehbare Aufstellung mit Datum, Ziel, Anlass und Kilometern. Ein formales Fahrtenbuch brauchst du erst, wenn ein betriebliches Fahrzeug auch privat genutzt wird und du die 1-%-Regelung vermeiden möchtest.
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